Things have changed – Still writing & translating stuff, now with more german texts on the side

    After some serious time passed, I am again writing stuff.

    Und es wird auch mehr in Deutsch sein, denn Vieles von dem, was ich in den letzten Jahren geschrieben habe und nun hier (teilweise) veröffentliche, ist in meiner Muttersprache geschrieben. Manchmal mit Übersetzungen, manchmal ohne.

    Ich wünsche allen Lesern jedweden Geschlechts, Identifikation, Glaube und Allem anderen viel Spaß mit den Texten und Textkompartimenten von meiner Seite – Wenn es Fragen, Wünsche & Anregungen gibt, freue ich mich auf jede Art von Feedback!

    Joh

    Ismarinjas Reise I

    Der Weg entlang des Bachs gen Nordosten ist länger, als es den Anschein hat. Der Bach ist gewunden, es gibt Überschwemmungsbereiche, weitläufige Wäldchen mit Brombeerhecken und Weidendickicht entlang der Strecke.

    Ismarinja umgeht diese Bereiche lieber, hält aber immer ein Auge auf den Lauf des Wassers zu ihrer Linken, und sie wählt ihren Weg immer entgegen der Strömung. Der ruhige, gewundene Fluss des Baches und die Fülle an Leben, die von ihm ausgeht, gibt ihr selbst eine innere Ruhe und Zufriedenheit, hier spürt sie die Grundlage ihrer Existenz.

    Voller Eleganz streifen Vögel, Isopta, und alle möglichen anderen Tiere lebhaft durch die Äste und Blätter im Bachsumpf, er ist überwuchert von Weiden und Holunder. Die Luft selbst scheint zu summen, sie ist erfüllt von Leben, kleine und große Bienen und Mücken, die Blüten besuchen und dort Pollen und Nektar sammeln, sie sieht Wasserschmetterlinge, Libellen und größere Isopta, die einfach nur durch die Luft gleiten und manche, die den Vögeln bei der Jagd nach kleinerer Beute Konkurrenz machen. Man sieht sie auf den dickeren Weidenästen sitzen, wo sie ihre Beute verspeisen. Die unverspeisten Reste ihrer Beute fallen wieder zurück in den Bach, wo sich kleine Fische, junge Isopta-Larven und dicke Kaulquappen darauf stürzen.

    Sie wandert immer weiter, trinkt aus dem Bach, isst von ihren Vorräten, von den Beeren und Früchten, die sie am Bachufer und in den angrenzenden Wiesen und Wäldern findet.

     Die Reise geht gut voran, der Nachmittag des ersten Tages ist noch etwas schwermütig, denn sie übertrat zum ersten Mal seit langer Zeit die Grenze zu “ihrem“ Hain, aber das Wasser, die Pflanzen, und das ganze Land entlang des Baches sind so voller Leben, ihre schiere Existenz ist eine Freude, sodass ihre Laune die dunkleren Gedanken der Sorge schnell wieder überwindet.

    Gen Abend sinkt die Sonne hinter die langsam näherkommenden Hügel, und Ismarinja fällt erst jetzt auf, dass sie in den letzten Stunden ihres Weges schon eine gute Steigung hinter sich gebracht hat. Sie stößt hier seltener auf große Bäume, das Wasser wird kühler und es deuten sich in der Ferne, fast schon fließend im Abendlicht die Ebenen der Hochländer an.

    Morgen sollte sie den von Sesliab in seinem Bericht beschriebenen Teil des Baches erreichen. Aber jetzt ist es an der Zeit für ihre Rast, hier, an einer stattlichen Weide, etwas abseits des Wasserlaufs. Sie spürt die Magie des Wassers im Baum und im Boden bei ihr. Ein flacher Stein als Grundlage, ein paar gewachste Flauschsamen, eine kleine Schale mit frischem Wasser und Kräutern vom Bachufer werden, zusammen mit den gefundenen Wasserkastanien, etwas Brot und getrockneten Sotolonn-Blättern, zu einer guten, warmen Abendsuppe.

    Die Suppe verspeist die Hainhexe bedächtig, dann legt sie ihre Tasche als Polster zwischen zwei dicke Wurzeln der Weide, setzt sich darauf und schmiegt sich halb sitzend an den Stamm. Ihr Geschirr lässt sie, wie sie es immer tut, mit einem Rest ihrer Suppe, etwas abseits zum Bach hin stehen, damit hungrige Bewohner des Baches und vielleicht auch der eine oder andere Wasserling davon nehmen können, während sie ihre Nachtruhe verbringt.

    Zum Einschlafen zieht sich den Umhang bis zum Kinn, bevor sie in der lauen Abendsonne einnickt. Das Leben um sie herum wird auch ruhiger, es wird niemals wirklich still, aber die Nacht am Bach ist deutlich ruhiger als die Nachmittags- und Abendstunden.

    Die Morgensonne kitzelt an Ismarinjas Wimpern, zusammen mit ein paar Demaptera, die gerade dabei sind, sich Haare aus ihrem Wollumhang zu ziehen, um ihre Legestätte damit zu polstern. Die Hexe schaut ihnen bei ihrem triebsamen Schaffen verschlafen zu, dann lächelt sie, sammelt ein paar Flusen von ihrer Kleidung und hält sie den kleinen Insekten hin, die sie schnell aufnehmen und an der Weide hinaufklettern.

    Ihre Schüssel und das Besteck liegen, leer und sauber geputzt, an der Stelle, wo sie sie gestern platziert hatte. Daneben liegt ein Ocrimun-Blatt mit einer kurzen Nachricht:

    »Vielen Dank für deine Gaben, sie haben uns Allen die Nacht erleichtert« – Ephislias

    Lächelnd packt die Hainhexe ihr blitzblank gesäubertes Besteck ein, bringt den Stein zurück zum Bachlauf, legt ihre Hand auf den Stamm der Weide, dankt ihr so für das Obdach in der Nacht, und macht sich dann weiter auf den Weg.

    Ismarinja

    Es ist spät am Abend, das Feuer ist heruntergebrannt und die Glut knistert noch im kleinen, gemauerten Eck-Kamin. Auf dem Tischchen daneben liegen Feuerstab, zerrupfte Flauschsamen mit Wachs, und ein fast geleerter Tonbecher mit Tee, in dem noch ein fein geschnitzter Löffel aus Birkenholz steht.

    Das aufflackernde Feuer wirft zuckende Schatten auf die im geflochtenen Sessel versunkene Frau.  Sie ist dort zwischen all den Decken, Tüchern und Fellen fast nicht zu erkennen, das schwache Licht spielt über ihre stark gebräunte Haut, über die geschlossenen, von Lachfalten bespielten Augenlider und bringt hin und wieder den rötlichen Nasenring zum Glitzern.

    Plötzlich zucken ihre Augen und sie schüttelt sich leicht, als sie abrupt erwacht. Schnell dreht sie den Kopf zur Türe hin, ihre unterbewusste Wahrnehmung hatte sie zurecht geweckt – der Windstoß, der sie und das Feuer irritierte, kam von der geöffneten Tür.

    Im Wald beginnen man schon vereinzelt die großen Nepis-Raupen an den Bäumen aufzuleuchten und mit ihrem diffusen Licht die Nacht willkommen heißen. In der Türe erblickt sie eine kleine Gestalt, die sichtlich verunsichert im Eingang ihrer Hütte steht und sie vorsichtig fragend anschaut.

    Ismarinja erkennt den Wasserling sofort, es ist das jüngste Schüppchen aus dem Teich am Bach hinter ihrer Hütte. Der jüngste, unerwartete Spross der Vereinigung, die vor mehreren Sommern auf der Oberfläche des Teiches in ihrem Wäldchen stattfand, und den Frieden zwischen den Wassern und dem Wald weiter stärkte.

    »Ah, Sesliab, es ist schon spät, musst du nicht deiner Mutter helfen? Was möchtest du?« »Erm… Ja, deswegen bin ich hier, Tante Ismarinja. Ich… Ich brauche Hilfe!« sagt der kleine, in Teile von Seerosenblättern und Federalgen gekleidete Wasserling schüchtern.

    Er wirkt sichtlich verstört, die grünen und roten Wasserlinsen wirbeln schnell auf der dünnen Wasserschicht, die ihn umgibt. Manche von ihnen wirken angefressen, zerrissen sogar. Auch seine Seerosenblätter sind verletzt, haben gelbe Stellen und Löcher.

    »Du siehst nicht gut aus, was ist denn los? Und wo ist deine Mutter?« fragt die Hainhexe leicht besorgt.

    »Mama ist im Teich, sie sortiert und verteilt den heutigen Eintrag, wie jeden Tag. Ich war Heute auch auf der Suche, ich durfte den Bach hinauf wandern, um mehr Eintrag zu sammeln und die Anderen im Teich zu unterstützen. Die Schmerlen und Pangas haben ja grade ihre Brut, sie sind immer hungrig.« sagt der kleine Wasserling aufgeregt.

    »Dabei bin ich ganz weit hinauf gewandert, das Wasser wurde schon viel kälter und schneller dort. Und dann… dann hat mich ein Ferae angefallen. Ich habe ihn noch gegrüßt, und er hat mich gebissen. Ich war noch direkt am Bach, er hat mich gebissen, hat mir die Algen im Bein zerrissen! Ich… Ich hatte Angst, dass ich mein Bein verliere!«

    »Ich bin in den Bach gefallen und zurückgetrieben, direkt zurück in den Teich, und Mutter hat mich gleich zu dir geschickt, um dich um Hilfe zu bitten!« sagte der junge Wasserling schaudernd und zitternd.

    Ismarinja steht auf, zieht ihren bunt bestickten Umhang über die Schultern und geht in Richtung des Kräutertisches, der voller Schalen und Dosen mit verschiedensten Kräutern, Extrakten und Salben unter dem runden Fenster steht. Sie denkt kurz nach, nimmt aus einer Schale ein paar getrocknete Himbeeren und tritt zur Mitte ihrer Hütte, wo sich eine stattliche Nepis-Raupe an einem aus der Decke hervorstehenden Stück Holz festgekrallt hat.

    Sie gibt der Raupe die Beeren und man hört nur ein leises Klappern und Schmatzen, als die Raupe sich an dem dargebotenen Obst gütlich tut und die so gewonnene Energie auch gleich in ein kühles, blaues Licht umwandelt, das den ganzen Raum hell beleuchtet.

    »Ja, natürlich helfe ich dir! Komm erstmal rein. Warte, ich hole dir einen Eimer Wasser, damit du nicht noch mehr austrocknest.« sagt die ältere Frau, nimmt den Eimer Wasser neben ihrem Kräutertisch, und stellt ihn zusammen mit dem Schemel vor ihren Sessel neben die Tür.

    Der Wasserling nickt erleichtert und setzt sich auf den Schemel. Er entspannt sich sichtlich, als er seine Füße fast bis zu den Knien ins Wasser des Eimers senkt. Die Wasserlinsen beruhigen sich etwas, und auch das kühle, blaue Licht scheint seinen aufgewühlten Geist zu beruhigen.

    »Nun berichte mir nochmal, was genau passiert ist, ganz ruhig und entspannt.« sagt die Hainhexe zu dem verletzten und verunsicherten Wasserling, der auf dem Schemel sitzt und erschöpft die Pflanzen in und auf seinem Körper richtet.

    Der Wasserling blubbert leise, richtet sich noch die Seerosenblätter, und beginnt mit konzentrierter Stimme zu erzählen: »Ich bin Heute den Bach hinaufgewandert, um die Gaben der Bäume und anderen Pflanzen zu sammeln, die dort eingetragen wurden und uns im Teich helfen können. Wir brauchen ja gerade viel, es gibt mehrere Bruten von verschiedenen Bewohnern bei uns im Teich, und Mutter ist in Sorge, dass die Vorräte nicht reichen könnten. Sie sorgt sich, dass es zu wenig ist, zu wenig für uns alle und auch noch die Jungen, die dann kommen werden.

    Nachdem ich Alles, was ich in den oberen Bereichen des Baches fand, mit dem Blasentang zu einem Paket gebunden und hinabgeschickt hatte, bin ich noch weiter hinauf gegangen, immer entgegen der kalten Strömung. Ich wollte weitersuchen, um sicher zu gehen, dass ich wirklich Alles hinuntergeschickt hatte.«

    »An einer seichten und deutlich schneller fließenden Stelle viel weiter oben, schon am Rande der Hochländer, sah ich einen Ferae direkt am Ufer. Er war gerade am Trinken. Ich wollte hingehen und ihn fragen, ob er mir helfen könnte, mehr Material für den Teich zu finden.

    Aber als ich ihn ansprach, kam keine Reaktion. Bei meinem zweiten Versuch schaute er mich nur sehr langsam an und blinzelte. Ich ging näher heran, ich dachte, er hätte mich nicht gehört, ich dachte, er wäre freundlich. Und … er muss sich erschreckt haben, denn dann stellte er sein Nackenfell auf, sprang in das seichte Wasser, und … und er hat mich gebissen!«

    »Ich … Ich verstehe es nicht, ich habe nichts getan, ich war ganz zurückhaltend und freundlich. Auch die Ferae weiter oben kennen doch Wasserlinge, wir sind doch Freunde, seit die alten Bäume im Wäldchen gewachsen sind. Er sollte mich erkennen, zumindest meine Art, wir helfen ihnen doch auch immer hier am Teich, mit ihren Jungen in den warmen Sommern.  Dieser Ferae oben am Bach hatte sogar das gleiche Fellmuster wie die Ferae hier zwischen den Bäumen und Bächen im Wäldchen, nur mit etwas anderen Farben.«

    »Ist jetzt alles gut? Hast du Schmerzen oder fehlt dir Etwas?« fragt Ismarinja, während sie sich umdreht und den Blick suchend über ihren Kräutertisch schweifen lässt.

    »Nein, ich habe mich direkt nach dem Angriff vom Bach wegtragen lassen, direkt bis zum Teich. Aud dem Weg war ich vom Wasser umschlossen, und Mutter hat mir das Bein gleich versorgt, die Fiederalgen in Form gebracht und alles wieder einigermaßen hergerichtet. Meine Pflanzen müssen jetzt nur wieder gedeihen, sich vom Biss und Schrecken des Angriffs erholen. Ich sollte in ein paar Tage an der Oberfläche auf den Seerosen im Teich verbringen und es wird wieder Alles gut sein, meinte sie.« Der junge Wasserling spricht mit deutlich ruhigerer Stimme. Auch die Wasserlinsen auf seinem Äußeren bewegen sich schon sehr viel langsamer und entspannter.

    »Aber Mutter war sehr beunruhigt, sie wollte, dass ich dir gleich erzähle, was mir geschehen ist. Es ist ungewöhnlich, dass ein Ferae so aggressiv ist, seine Freunde und Verbündeten nicht erkennt, hat sie gesagt. Ich soll dich bitten, dieser Frage nachzugehen, in Gedenken an unsere lange Tradition der gegenseitigen Hilfe. Sie kann den Teich zurzeit ja nicht selbst verlassen, nicht bevor die Brut geschlüpft und versorgt ist.«

    »Sie bittet dich, Tante Isa, als erdgebundene Freundin des Teiches, am Bach entlang aufwärts zu gehen und Kontakt zu den Ferae und anderen Wesen am Rande des Hochlands aufzunehmen.«

    »Vielleicht kannst du herausfinden, was diesen Angriff provoziert hat und helfen, Wiederholungen zu vermeiden. Dem Teich hilfst du damit auf jeden Fall, wir alle warten schon auf die Sameneinträge der Hochlandgräser und Bäume, die ja bald anstehen. Und wenn die Ferae und andere Tiere nicht mehr zum Bach kommen, dann… Dann sieht es schlecht aus für die Brut in diesem Sommer…« wiederholt der Wasserling langsam aus dem Gedächtnis, es wirkt, als würde ihm damit erst klar werden, was der unprovozierte Angriff auf ihn bedeutet, und was die Folgen davon für das Wäldchen und seinen Teich sein könnten.

    »Die Mutter des Teiches fragt, ob ich den Bach hinaufwandern könnte, um ein Verhungern der Brut dieses Jahres zu verhindern.« wiederholt Ismarinja bedächtig mit besorgter Stimme, während sie scheinbar in Gedanken versunken am Kräutertisch steht und im hellen Nepislicht getrocknete Kräuter sortiert.

    »Ja, Tante Isa, es wäre wichtig, sagt sie.  Die Aggressivität ist überraschend, erschreckend für uns alle. Alle sind sehr verunsichert, meine Brüder und Schwestern im Teich, Fische, Vögel und sogar die Bäume waren sofort beunruhigt, als ich von dieser Begegnung berichtete.« sagte der kleine Wasserling mit deutlich belegterer Stimme als noch eben.

    Die Hainhexe nickt langsam. Sie schüttelt sich leicht und zieht ihren Umhang etwas enger. »Ja, das ist vermutlich der beste Weg. Ich stehe in der Schuld der Wasserlinge, und der Teich ist mit dem Wäldchen so fest verbunden, die Sicherheit muss gewahrt bleiben.«

    Sie nickt erneut, drückt ihren Zeigefinger auf ein violettes Ocrimun-Blatt, ballt ihre Hand mitsamt dem Blatt zur Faust und murmelt sacht ein paar Worte – Das Blatt wird dunkler, bekommt grüne Flecken und rollt sich an den Rändern ein. Ismarinja benetzt das Blatt beidseitig mit Honig aus einem kleinen Topf und gibt es dann vorsichtig an den Wasserling.

    »Hier, bring das der Mutter, und nimm ruhig etwas von dem Honig, er ist gemischt mit Tau und Birkenrinde, es sollte deinen Blättern helfen, schneller wieder zusammenzufinden.« sagt sie mit fürsorglicher Stimme.

    »Ich packe und werde mit dem ersten Sonnenlicht den Bach hinauf gehen. Ich werde dem Bach meine Nachrichten auf Ocrimun-Blättern wie diesem hier anvertrauen. Sag bitte auch all deinen Brüdern und Schwestern und allen Freunden des Teiches und des Wäldchens, sie sollen darauf achten, dass diese Blätter die Mutter erreichen, ihr werdet die eingeflossenen Nachrichten in den Blättern selbst erkennen.«

    »Ja, Tante Isa, das mache ich – Danke, du uns Allen einen Stein von der Seele, danke, dass du dies auf dich nimmst! Ich wünsche dir viel Licht und Regen auf deiner Reise.« sagt der Wasserling, der das Blatt vorsichtig in den Mund nimmt, aufsteht, und die Hütte rasch in Richtung Teich verlässt.

    Ismarinja stellt den noch feuchten Schemel zurück und hebt den Eimer mit dem Wasser des Wasserlings auf den Kräutertisch. Hier füllt sie den Inhalt vorsichtig in mehrere Flaschen. Das Wasser ist nach der kurzen Berührung mit dem Elementarwesen immer noch erfüllt von Resten schwacher Magie, selbst innerhalb der Flaschen ist es voller Bewegung und durchsetzt mit grünen Pflanzenstückchen.

    Zwei der Flaschen stellt sie in ihre Kommode, eine verschließt sie nochmal gut und packt sie in einen kleinen Beutel, zusammen mit einigen anderen Kräutern und Salbendöschen. Der Beutel kommt in ihre Reisetasche, zusammen mit ihrer Ersatzkleidung, Decke und Besteck, gut verpacktem Fladenbrot, Trockenobst und Honig. Ein kleines Messer hängt sie an dem um ihre Hüften gewundenen, fein bestickten Gürtel, über einem langen, grünbraunen Kleid aus warmer Brennnessel und Windenfasern.

    Nachdem sie ihre Tasche auf den Rücken geschnallt und die schweren Lederstiefel angezogen hat, hängt sie ihren dünnen, bestickten Überwurf über ihren Sessel, tritt vor ihre Hütte und wirft sich den groben, gewachsten Umhang mit eingenähten Esquoiadenblättern über die Schultern. Damit ist sie auch gut vor Regen und Kälte geschützt, sollte es nötig werden.

    Ismarinja schließt ihre Augen, tritt mit erhobener linker Hand an den Baum heran, der mit seinem Körper eine Seite ihrer Hütte bildet, und sie spürt sofort die Ruhe, das Pulsieren der Säfte des Baumes, die aufsteigende Wärme und sogar das leise Flüstern der Nepis-Raupe in ihrer Hütte.

    Die Säfte fließen langsam durch den großen Nipoya, der ihr ein Heim bietet, von den Wurzeln zu den Blättern und wieder zurück, mit der Energie der Sonne aufgeladen. Der Baum verteilt die Energie aus den Blättern in der ganzen Pflanze, bis zum Boden, zu der Nepis-Raupe und über die Wurzelverbindungen auch zu den anderen Bäumen im Hain. Mit Hilfe der mit den Bäumen und den Bewohnern des Teiches verbundenen Erdlinge kommt die Energie aus den Baumkronen sogar bis in den Teich selbst.

    Mit geschlossenen Augen genießt sie kurz das Gefühl der aufgehenden Sonne auf den Blättern der Hainbäume. Dann verabschiedet sie sich von ihrer Hütte und dem Hain um sie herum, und macht sich auf den Weg in Richtung der Hochländer. Entlang der Pfade durch den Hain nimmt sie noch ein paar Beeren und frische Wasserkastanien mit, die sie als Wegproviant in den Taschen ihres Kleids verstaut.

    Solch eine Wegzehrung ist immer eine Freude und Ismarinja ist guter Dinge – die Sonne scheint frisch und hell am Morgen, es liegt ein leichter Dunst im Hain und über dem Bach und all seinen Verzweigungen, sie sieht die Enten, Störche und Wasserlinge im Sumpf spielen und die Gaben der Pflanzen um sie herum im Wasser sammeln. Sie geht etwas schneller voran, denn es gibt keine Zeit zu verlieren, sie will ja auch schnell wieder zurück sein, um beim Schlüpfen der Brut im Teich im nächsten Mond dabei zu sein und mitzuhelfen.  Das Schlüpfen ist einer ihrer liebsten Momente im Hain, ihre schönste Erinnerung für das ganze Jahr.

    Issarya

    Eine Geschichte aus einem Prompt von einer Freundin (Danke Mellie!)

    Issarya war erstaunt. Diesen Bereich des Waldes hatte sie zuvor schon betreten, aber diese Ruine hier war ihr unbekannt. Vollkommen unbekannt.

    Es war ein seltsamer Anblick. Ein aus großen, behauenen Felsblocken erbaute Schloss, offensichtlich schon lange verlassen, vielleicht war es sogar ein Relikt noch aus der vorletzten Zeit.

    Die Runen, die überall durch den dichten Bewuchs aus Efeu und Mirilliabeeren durchschienen, waren eindeutig magisch, sie leuchteten, atmeten fast schon in verschiedenen Farben, wechselten kontinuierlich Form und Farbe, aber nicht die Position auf den massiven Blöcken.

    Sie ging weiter hinein, ihren Reitlybis hatte sie an einen Baum gebunden, das große Katzenwesen wollte sowieso nicht näher an diese seltsam leuchtende Ruine heran.
    Aber ihre Neugierde war geweckt.

    Nach ein paar Schritten in die halb zerfallene Ruine hinein, stand sie vor einem großen Steinbogen, der mit dunkelviolett leuchtenden Runen beschrieben war.
    Aber der Bogen war komplett ausgefüllt mit kleinerem Mauerwerk, nein, mit geschichtetem Stein. Helle, leuchtend gelbe Linien zeichneten die einzelnen Steine innerhalb des Bogens nach. Es gab auch noch kleinere Runen der gleichen Farbe überall auf den Steinen.

    Issarya erkannte eine dieser Runen – Ihre Großmutter hat ihr früher mit einem alten Zauber auf großen Boragoia-Blättern bunte Lichter tanzen lassen, und sie glaubte, hier auf dieser Mauer einige dieser ihr damals schon unbekannten Zeichen wiederzuerkennen.

    Vorsichtig berührte sie mit einem Finger eine solche hellgelbe Rune, die darauf sofort reagierte.
    Erschrocken zog sie die Hand zurück, aber es war zu spät – Die hellgelbe Rune verfärbte sich, wurde ebenso violett wie der Bogen über ihr, und danach fiel sie in sich zusammen. Die ganze, von gelben Runen bedeckte Mauer im Bogen fiel in sich zusammen und … verschwand im Nichts.

    Es blieb nur ein unruhig wabernder, offensichtlich magischer Durchgang zurück.

    Die Prinzessin war misstrauisch – Es war ganz klar alte Magie, aber diese Magie war immer zweideutig. Man musste die Energien ausgleichen, und gerade eben waren einige Steine auf magische Weise in dieses Portal gezogen worden.

    Sie erinnerte sich – Ihre Großmutter sagte, diese Runen, die denen auf den Steinen so ähnlich sahen, waren die alten Zeichen ihrer Familie, Zeichen für Schutz und Segen. Sie wusste nie, was Ismarinja damit meinte, aber sie hatte einen Verdacht.

    Vorsichtig steckte sie ihren Arm in diesen Durchgang, in das Portal – Sie spürte … nichts. Als sie ihn zurückzog, war der Ärmel verschwunden, glatt abgeschnitten, mit einer leicht wabernden Kante. Aber auf ihrem unversehrten Arm leuchteten die gleichen Runen. Nach kurzem Zögern legte sie ihren Umhang, Bogen und Dolch ab und sprang mit nichts außer dem königlichen Kleid (dem ein Ärmel fehlte) durch das Portal.

    Es war… seltsam. Ein kurzes Gefühl, wie ein Tauchgang in eiskaltem Wasser, dann war es schon vorüber.

    Sie stützte sich benommen an die Wand, wo sich gleich von ihrer Hand ausgehend die bekannten gelben Runen auf dem Gestein verteilten und immer heller wurden.

    Schnell nahm sie die Hand wieder weg – sie wollte keinerlei Aufmerksamkeit, schon garkeine leuchtenden Runen und magisches Geknister, sie wusste ja nichtmal, wo sie überhaupt war.

    Ein schneller Blick zeigte, dass sie in einem dunklen, hohen Raum war, eine alte, heruntergekommene Haupthalle, ein Eingang wie zu einem alten Schloss. Um sie herum waren massive Mauern, hohe Fenster und stabile Türen, die aber gebrochen in den Angeln hingen.

    Zu ihren Füßen lagen wabernd die zerrissenen Reste ihres Kleides, und etwas weiter von ihr weg lag der zerrissene Ärmel. Durch ein Loch in der Decke schien einer der beiden Monde, der rosane Eray, schwach auf ihren Körper.

    Ihre Elfenaugen stellten sich schnell auf das Mondlicht ein, und sie sah am Ende des länglichen Raumes… keinen Thron, sondern einen Schatz, einen Haufen aus Münzen und Metallen – Gold, Silber, Platin und Iridium.

    Und darauf lag, mit weichen Kissen und Fellen gepolstert, ein junger Mondsteindrache. Sie hatte noch nie einen solchen Drachen gesehen – Es waren mythische Wesen, berühmt für ihre Goldgier, Brutalität und … Dummheit.

    Schon seit mehreren Generationen gab es keine solchen Drachen mehr im Reich ihrer Familie, die letzten Mondsteindrachen wurden von den vereinten Elfenheeren weit in den Westen getrieben, dort hausten sie jetzt in den Steppen und stritten sich um Ziegen und anderes Futter.

    Nun stand sie solch einem Biest gegenüber – Allein, praktisch nackt und an einem unbekannten Ort. Das waren keine guten Umstände.

    Issarya sah sich genauer um, dieser Saal war voller prunkvoller Einrichtungsgegenstände, sie sah sogar Teile von Rüstungen und Waffen herumliegen,

    Sie fasste sich ein Herz und schlich vorsichtig durch den Raum, nahm einen langen Elfendolch vom Boden und schlang sich den Gurt sogleich um die Hüften, dazu noch eine Waldläuferhose und -Tuch.

    Als sie dem schlafenden Drachen näherkam, löste sie irgendwie ein Geräusch aus, ein leises Scheppern, als ein zerbrochener Stuhl auf eine Bronzeschale fiel.

    Dies ließ den Drachen abrupt aufschrecken.
    Mit lautem Zischen und Dampf aus den Nüstern öffnete er langsam die Augen, sah sofort die Elfenprinzessin und fixierte sie.

    „Wer bist du? Sind schon wieder neue Tribute angekommen?“

    Er drehte sich zur Seite, und Issarya sah, wie der Drache in einen herumliegenden Schafskadaver biss, und diesen mit lautem Knirschen zwischen den Zähnen zermalmte.

    „Gut, das ist auch angemessen!“

    „Ah, ehm… Euer Hoheit“ Die Worte kamen Issarya langsam und schwer über die Lippen. „Es ist eine besondere Sache, diesmal, wenn ihr einen Moment Zeit habt?“

    Der Kopf des Drachen schnellt zurück, mit Fetzen verrottendem Schaf auf den Lefzen.
    „Ja, wenn es sein muss, was gibt es denn diesmal, haben die Vasallen wieder versagt, muss ich es wieder regeln?“

    Mit einem abfälligen Grunzen schiebt sich der Drache von seinem Lager. Er wirkte doch nicht so beeindruckend, als er dann mal auf allen Vieren stand. Nur etwa doppelt so groß wie ein menschliches Pferd.

    „Nun, es gibt eine Besonderheit, euer Hoheit.“ „Eure magische Expertise ist gefragt, und es könnte von Interesse für euch sein, Hoheit.“

    „Hoheit… Ich mag das, Jüngling, das gefällt mir!“ grollt der Drache geschmeichelt. „So zeige mir das Problem!“

    „Ja, natürlich, folgt mir, es ist nicht weit, es geht um ein Portal, das sich vor Kurzem auftrat.“

    „Oho, ein Portal?“ Der Drache wirkt amüsiert. „Portale sind Kinderspielzeug, sie sind den Aufwand nicht wert. MEIN Volk kann einfach fliegen.“ sagt das nun aufgerichtete Reptil abfällig. „Aber ich verstehe, dass euresgleichen vor solcher Magie Angst hat.“

    „Ja, es ist gleich hier, im Saal, schaut!“ Issarya geht zurück und hält ihre Hand in die Nähe der Wand, die daraufhin schwach zu leuchten beginnt.

    „Oh, das sieht ja sogar aus wie alte Drachenmagie! Spannend – Aber wertlos. Ich habe keine Verwendung. Geht einfach nicht hindurch, es ist nur ein schwacher Zauber.“ meint der Drache abfällig und dreht sich langsam wieder zu seinem Goldschatz hin.

    „Aber… Aber was ist auf der anderen Seite? Ich habe gehört, es gäbe Geräusche, wer weiß, was dort ist – Magie, Schätze, Sklaven?“

    Der Drache wirkte auf einmal wieder interessierter und fokussiert das schwache Leuchten.

    „Hmmm… Jaaa… Ich sollte vielleicht doch mal schauen. Aber Zuerst muss es fixiert werden. Ich muss es mir näher anschauen“ sagt der Drache und kommt dem Portal in der Wand näher.

    Er murmelt einige Phrasen, die keinen sichtbaren Effekt zeigen.

    „Hmmm… Das ist seltsam, ich will es öffnen, aber es gibt keine Reaktion. Es brauch vermutlich mehr Energie.“ sagt der Drache und kommt näher an das Portal.

    Auch Issarya geht näher heran, und das Portal wird stärker und heller.

    „Aaaah, ja, so ist es – Auch alte Magie kann einem fähigen Drachenhirn nicht widerstehen. Dann wollen wir doch mal schauen, was es dort drüben einzupacken gibt!“ sagt der Drache selbstgefällig, als das Portal sich langsam vor seinem Kopf manifestiert, während Issarya langsam die ganze Handfläche auf die äußere Runenlinie legt.

    „Jüngling, ich werde mich dieses Problems annehmen, warte hier und sage den anderen Bediensteten, dass ich bald wieder zurück sein werde!“ Mit diesen Worten steckt der Drache seinen Kopf und Hals durch das Portal und bewegt sich langsam hindurch, durch den wabernden Kreis im Mauerbogen.

    „Jawohl, euer Hoheit, so wird es geschehen!“ sagt Issarya, und tritt mit gesenktem Kopf ein paar Schritte zurück.

    Damit schließt sich das Portal natürlich sofort wieder, und der Drache wird in der Mitte durchgeschnitten. Mit einem dumpfen „plumps“ fällt der hintere Teil des Mondsteindrachens sauber durchtrennt auf die Seite und verschmiert Wand und Boden mit Dracheninnereien und -Blut.

    Issarya setzt sich, benommen vom Erfolg ihres aus der Not geborenen Gedankens. Am mit Reichtümern überladenen Tisch sitzt sie nun und überlegt, was sie tun soll – Soll sie die Reste des Drachens und den Schatz zurückschaffen auf das Gut ihrer Familie, und dort dann mit dem abgetrennten Kopf des Mondsteindrachens den uralten Titel des Drachentöters beanspruchen?

    Oder soll sie vorerst hier bleiben und schauen, was diese seltsame Welt noch an Schätzen und Wundern birgt, wer die Diener dieses verächtlichen Drachens sind und was sie hier noch über diese seltsame Magie erfahren kann, die ihr offensichtlich innewohnt?

    Issarya denkt kurz nach, schaut auf den Wald hinter den bunten Glasfenstern, auf den Dolch an ihrer Seite und kichert. Entschlossen geht sie auf das Portal zu und setzt zum Ruf nach ihrem Reitlybis an – Er würde kommen, wann immer sie ihn ruft.

    Update – I’m with Albion Online … for some time now

    So, I have been distracted for some time, but it has been worth it!

    After my projects at games academy, I continued working for Sandbox Interactive as a freelance translator for basically all texts game related.

    I work all kinds of ingame texts, advertisement texts, community news and so on.
    I also do game testing, helping to eradicate these evil misplacement demons that brought your resource under the ground or rooted you in some invisible collider deep in the woods, where these bears could bite your head off easily.

    This is my day job, and I am quite happy to have the opportunity to work on a game that is appreciated by many players.

    But I work some other gig, of course – More on this topic soon, with the next entry…! 😀